Internationale Tagung 2018

Jazzforschung im deutschsprachigen Raum.
Themen, Methoden, Perspektiven

21./22. September 2018, Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar
Seminarraum 1, Hochschulzentrum am Horn, Carl-Alexander-Platz 1

Der Eintritt ist frei! Um Voranmeldung wird gebeten unter:
jazzforschung@hfm-weimar.de

Obwohl die kritische Auseinandersetzung mit Jazz bis in die 1920er Jahre zurückreicht, etablierte sich eine wissenschaftliche Jazzforschung im deutschsprachigen Raum erst im Laufe der 1960er und 1970er Jahre. Einflussreich waren hierbei das 1965 gegründete Institut für Jazzforschung in Graz oder das international rezipierte Free Jazz-Buch von Ekkehard Jost aus dem Jahre 1975. In den vergangenen Jahren hat sich nun in der deutschsprachigen Jazzforschung ein Generationswechsel vollzogen, der auch zur Erschließung neuer Forschungsthemen und Forschungsansätze geführt hat. So rücken einerseits die globalen Dimensionen des Jazz, die über die US-amerikanische Jazztradition hinausweisen, zunehmend ins Zentrum des Interesses. Ander-erseits eröffnen die in den 1990er Jahren entstandenen US-amerikanischen ‚New Jazz Studies‘ neue Perspektiven der Auseinander-setzung mit dem Phänomen Jazz. Die Tagung versteht sich als eine offene Bestandsaufnahme der Jazzforschung im deutschsprachigen Raum. Durch eine Diskussion von Themen, Methoden und Desideraten der aktuellen wissenschaftlichen Auseinander-setzung mit Jazz sollen neue Forschungs-perspektiven eröffnet werden. In einer Podiumsdiskussion sollen zudem Potenziale des ‚künstlerischen Forschens‘ für die Jazzforschung und die Jazzausbildung reflektiert werden.
Die öffentliche Tagung findet am 21. und 22. September an der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar, Hochschulzentrum am Horn, statt. Das Rahmen-programm umfasst einen Einführungs-Workshop zur Analyse-Software MeloSpyGUI des Jazzomat Research Project (20.9.) und eine Exkursion ins Lippmann+Rau-Musikarchiv nach Eisenach (22.9.).

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Programm

Freitag, 21. September

9:15 Martin Pfleiderer, Weimar
Begrüßung

Themen

9:30 André Doehring, Graz
The shape of jazz studies to come? Überlegungen zu Anforderungen, Inhalten und Zielen der Ausbildung von JazzforscherInnen

10:15 Mario Dunkel & Mischa van Kan, Oldenburg
Transnational Perspectives on Jazz in Germany

Kaffeepause

11:30 Magdalena Fürnkranz, Wien
Zur Situation von Instrumentalistinnen im österreichischen Jazz

12:15 Benjamin Burkhart, Weimar/Freiburg
Jazz und Feuilleton in Deutschland: Themen und Akteure

Mittagspause

METHODEN

14:30 Michael Kahr, Graz
Zur historischen Entwicklung der deutschsprachigen Jazzforschung. Wissenschafts- und kulturgeschichtliche Rahmenbedingungen in der Stadt Graz

15:15 Martin Pfleiderer, Weimar
New Bottles, Old Wine? ‚New Jazz Studies‘ und die Jazzforschung heute

Kaffeepause

16:30 Wolfram Knauer, Darmstadt
Eric Dolphy, „Out to Lunch“. Eine detektivische Spurensuche

17:15 Klaus Frieler, Weimar/Hamburg
Linienkonstruktionen in Jazzsoli. Taxonomie, Vokabular und Grammatik

Samstag, 22. September

PERSPEKTIVEN

9:30 Nico Thom, Lübeck
Aktuelle Curricula von Jazz-Studiengängen in Deutschland. Eine Untersuchung im Grenzbereich zwischen Jazz- und Hochschulforschung

10:15 Monika Herzig, Bloomington / Indiana (USA)
Jazz Pedagogy across Continents. A Case Study Comparison between Indiana University and the Jazz Institute Graz and Future Directions in Jazz Pedagogy Research

Kaffeepause

11:30 Michael Keul, München
Projekt zur Geschichte von „Charlie and his Orchestra“ . Anmerkungen zu einem Stück ‚angewandter‘ Jazzgeschichte in Deutschland

12:15 Podiumsdiskussion: Künstlerisches Forschen im Jazz

‚Künstlerisches Forschen‘ – engl.: artistic research, practice research – ist seit geraumer Zeit ein viel diskutiertes Thema innerhalb der Musikerausbildung. Allerdings lässt das Konzept eines ‚künstlerischen Forschens‘ einige Fragen offen: Wie lauten die wissenschaftlichen Fragestellungen des ‚artistic research‘? Was sind ihre Methoden, was ihre Ergebnisse? Wer betreibt ‚artistic research‘ – Jazzmusiker oder auch und vor allem Jazzforscher? Und auf welche Weise können die Ergebnisse und Erkenntnisse des künstlerischen Forschungsprozesses dem Wissenschaftsdiskurs zugeführt werden? Bei der Podiumsdiskussion sollen diese und weitere Fragen zum ‚künstlerichen Forschen‘ in Bezug auf Jazz, Jazzausbildung und Jazzforschung diskutiert werden. Dabei werden die Teilnehmer auch von ihren eigenen Erfahrungen mit künstlerischen Forschungsprojekten berichten.

Teilnehmer:
Monika Herzig, Indiana University, Bloomington
Michael Kahr, Hochschule für Musik und Theater in München
Michael Keul, Universität für Musik und darstellende Kunst in Graz
Wolfgang Bleibel, Institut für Jazz, HfM Weimar
Frank Möbus, Institut für Jazz, HfM Weimar

Moderation: Martin Pfleiderer


Rahmenprogramm

Donnerstag, 20. September, 14-19 Uhr, hzh, SR 1
Workshop Jazzomat: Computergestützte Methoden der Jazzanalyse
Klaus Frieler & Frank Höger Weimar/Hamburg

Computergestützte Methoden der Jazzanalyse ermöglichen es u.a., Fallstudien durch statistische Auswertungen und Visualisierungen anzureichern, umfangreiche Korpusstudien durchzuführen oder gezielt nach Patterns zu suchen. In dem halbtägigen Workshop soll anhand von Beispielen in diese Möglichkeiten eingeführt werden. Grundlage sind die im Rahmen des Jazzomat Research Project entwickelte Software MeloSpyGUI und die digitale Transkriptionssammlung der Weimar Jazz Database. Beide stehen zum freien Download bereit unter http://jazzomat.hfm-weimar.de.

Weiterführende Informationen und das Programm finden Sie hier.

Begrenzte Teilnehmerzahl, wir bitten um Voranmeldung unter:
jazzomat@hfm-weimar.de



Freitag, 21. September, 21 Uhr

Jam Session im Kasseturm e.V.
Oberer Saal, Goetheplatz 10, 99423 Weimar


Samstag, 22. September, 16-18 Uhr
Exkursion zum Lippmann+Rau-Musikarchiv
Alte Mälzerei, Palmental 1, Eisenach
Voranmeldung unter: jazzforschung@hfm-weimar.de

Das Lippmann+Rau-Musikarchiv wurde 1999 unter dem Namen „International Jazz Archive Eisenach“ gegründet und 2009 „Lippmann+Rau-Musikarchiv“ umbenannt, da sich die Sammlungsbestände inzwischen über den Jazz hinaus auf das gesamte Spektrum der populären Musik erweitert hatten. Die Namen der Konzertveranstalter Horst Lippmann (1927-97) und Fritz Rau (1930-2013), die in den 1960er, 70er und 80er Jahren gemeinsam die Konzertagentur „Lippmann+Rau“ betrieben haben, stehen für ein nach allen Seiten offenes Verständnis von Jazz und populärer Musik.
Das Archiv beherbergt zahlreiche Sammlungen, u.a. von Günter Boas, Siegfried Schmidt-Joos, Fritz Marschall, Rainer Bratfisch und Kurt Müller (Teilnachlass Benny Goodman), mit unzähligen Tonträgern (Schellack-Platten, LPs, CDs, Tonbänder, Musikkassetten) und Filmen, mehr als 60.000 Büchern und Musikzeitschriften, etwa 60.000 Photographien, Programmhefte und Konzertplakate sowie zahlreiche Musikinstrumente, Rundfunkmanuskripte und Briefe. Die einzelnen Sammlungen bleiben in der Regel als geschlossene Einheiten erhalten und haben ihren je eigenen Platz in den atmosphärischen Archivräumen in der Alten Mälzerei.